Gesundheit und Krankheit auf dem Hintergrund der Corona-Virus-Katastrophe

von Prof. Dr. Hubertus Mynarek

Das Leben des Menschen ist eine geistig-psychisch-körperliche Wirklichkeit. Da der Mensch diese drei Stufen Geist-Seele-Körper in sich trägt, ist somit auch seine Gesundheit eine solche dreistufige Realität. Es ist daher von vorneherein ausgeschlossen, dass Gesundheit auf dem Niveau des Menschseins nur eine rein körperliche Angelegenheit ist.

Für eine solche halten sie aber die meisten Menschen. Denn wir leben in einem Zeitalter der Geistvergessenheit, der Leugnung des Geistes, der Verhöhnung auch aller höheren, edleren, feineren, seelischen Regungen. Der Massenmensch unserer Tage sieht den Körper, seine Lust, seinen Genuss, seine Leidenschaften auf der einen Seite und seine Schmerzen, seine Leiden, seine Schwächen, seine Schönheitsfehler auf der anderen Seite als einzige Wirklichkeit an.

Daher erschrickt er zutiefst, wenn ihm auch nur von weitem eine Gefahr für seine Gesundheit signalisiert wird. Denn er hat ja nur diese eine Welt seines Körpers, diesen einzigen Schatz, von dessen einwandfreiem Funktionieren sein ganzes Glück abhängt. So wird klar, dass viele in ständiger Angst um ihre Gesundheit leben und es zu massenhaften Angstpsychosen kommt.

Ebenso wird klar, dass auf dieser Grundlage die Autoritätsgläubigkeit, die Unterordnung unter die Informationen und Verordnungen des Staates, seiner offiziell anerkannten Gesundheitsämter und medizinischen Forschungsinstitute bei den meisten Bürgern massiv zunimmt.

Auch der Staat selbst ist ja an sich wie der geistlose Massenmensch unserer Tage ein geist- und seelenloses Gebilde, das sich gemäß seiner Verfassung auch gar nicht auf ein bestimmtes Welt- und Menschenbild festlegen kann.

Der Staat ist eine Institution, die ihr Verwaltungs- und Ordnungsrecht auch mit Gewalt durchsetzen kann.

Das ist die Situation, der Zustand, in dem Individuum und Kollektiv zum größten Teil momentan leben. Und diese Situation ist falsch, schief und bruchstückhaft, weil zwei große Wirklichkeitsstufen oder Schichten weggefallen, ja weggeschnitten sind: das Geistige und das Seelische. Auf einem Plakat, das zwei Jugendliche bei einer Demonstration gegen die behördlichen Einschränkungen infolge der Coronavirusinfektion hochhielten, stand: „Wir sind Seelen. Ihr vergesst das!“

Der erste Satz des Plakats hat jedenfalls recht: „Der Körper ist aus sich heraus nichts, er wird nur durch den Geist, durch die Geistseele zu dem, was er sein soll!“ Er kommt zum Leben, zur Gesundheit, zur ganzen Intensität dessen, was er der Idee nach sein soll, zum Vollsinn auch und gerade in seiner Körperlichkeit durch die geistigen und psychischen Energien. Die Alten, d.h. die Menschen des Altertums und des Mittelalters, wussten das in der überwiegenden Mehrheit immer sehr genau. Ein breiter Strang der alten Philosophie sah es als erwiesen an: „Anima forma corporis.“ (die Seele: das Formungsprinzip, der Gestaltungsfaktor des Körpers, die Seele bestimmt die Gestalt des Körpers)

Die neuzeitliche und moderne Schulmedizin hat diese tiefe Weisheit allmählich und dann immer weitgehender vergessen. Heute müssen ihr das Alternativmediziner wieder ins Bewusstsein rufen. „Der Körper ist niemals krank oder gesund, da in ihm lediglich die Informationen des Bewusstseins zum Ausdruck kommen. Der Körper tut nichts aus sich selbst heraus, wovon sich jeder durch die Betrachtung einer Leiche selbst überzeugen kann. Der Körper eines lebenden Menschen verdankt seine Funktion ja gerade jenen beiden immateriellen Instanzen, die wir meist Bewusstsein (Seele) und Leben (Geist) nennen. Das Bewusstsein stellt dabei die Information dar, die sich im Körper manifestiert und in die Sichtbarkeit transportiert wird.

Bewusstsein verhält sich zum Körper wie ein Radioprogramm zum Empfänger.

Da das Bewusstsein eine nicht materielle, eigenständige Qualität darstellt, ist es natürlich weder ein Produkt des Körpers, noch von dessen Existenz abhängig… So wie der Körper ohne Bewusstsein nicht leben kann, kann er ohne Bewusstsein auch nicht krank werden.“ (1)

Aus diesem Sachverhalt ergeben sich weitreichende Konsequenzen, vor allem die, dass gerade die Stärkung des Geistes, des geistigen Lebens in uns, den Körper und seine Gesundheit vervollkommnet. Der Körper wird nicht schwächer, sondern lebendiger, schöner, kraftvoller, leistungs- und widerstandsfähiger durch den Geist. „Stärke“ – so könnte aufgrund dessen die Devise heißen – „das Geistige in dir, weil es die eigentliche Wurzel der Gesundheit deines Körpers ist!“

Aber diese Stärkung ist nun keineswegs leibfeindlich oder auch nur leibfern zu deuten. Hier geht es nicht um ausschließliche Arbeit am Geist, um Konzentration einzig und allein auf ein körperloses Denken, wie das etwas Descartes‘ berühmte Definition „cogito, ergo sum“ (ich denke, also bin ich) nahegelegt. Gesundheit spielt sich keineswegs bloß im Raum des Bewusstseins, im Bereich des menschlichen Geistes ab. Der Körper darf gar nicht draußen bleiben, er muss nachhaltigst eingebracht und einbezogen werden.

Wie geschieht das? Nun, Geist ist für viele ein ziemlich abstrakter Begriff. Weiter kommen wir bei der Beantwortung dieser Frage, wenn wir daran denken, dass Geist im jetzigen thematischen Zusammenhang vor allem Bewusstsein bedeutet. Das Bewusstsein meines Geistes muss sich auf den Körper konzentrieren, soll ihm seine Aufmerksamkeit schenken, soll gleichsam in ihn herabsteigen, durch alle Adern und Organe des Körpers strömen, sie liebevoll mit dem Strahl der Bewusstheit umfangen. Das Bewusstsein muss den Körper erfühlen und erfüllen, es soll in diesem Sinne zur Körperwerdung des Bewusstseins kommen.

Nichts im Körper soll in der Dunkelheit bleiben, alles in ihm soll vom Licht des Bewusstseins ergriffen und erhellt werden. In jede Körperzelle, gleichsam in jedes Atom des Körpers muss das Licht des Geistes einströmen, wenn die höchstmögliche Gesundheit des Körpers erreicht werden soll. Auf diese Weise wird auch der menschliche Körper mit Sinn erfüllt, er nimmt am Sinnstreben des Geistes elementar teil, er partizipiert an der Bewegung des Ichs zum Selbst.

Nur in dieser Sinn-Bewegung befindet er sich auch auf dem rechten Weg zur Gesundheit. Diese Wahrheit meint möglicherweise auch die Psychoanalyse, wenn sie die Parole ausgibt: „Wo Es war, soll Ich werden!“

Wo dumpfe, körperliche Befindlichkeit, wo höchstens das schläfrige, hindämmernde Körperbewusstsein des Tiermenschen in uns war, dort soll die Leichtigkeit und Beweglichkeit des von einem hellwachen Bewusstsein durchstrahlten Körpers entstehen.

Gemäß dem eben Gesagten kann mit allem Nachdruck jedem von uns empfohlen werden: Liebe deinen Körper, erlebe ihn, erfahre ihn, umfasse ihn wohlwollend mit deiner Aufmerksamkeit, senke dich von Zeit zu Zeit in ihn hinein. Schätze ihn, er ist ein hohes Gut, dir auf deinem Lebensweg nach deinem Lebensplan anvertraut. Er ist eine große Idee, die aus dem Geist stammt. Er ist die leibliche Erscheinungsweise des Geistes und soll zunehmend die Verkörperung geistiger Schönheit, Harmonie und Ganzheit werden. Sensibilisiere den Körper, aber tu das nicht mit den groben Reizen (Masturbation, sadomasochistische Praktiken), sondern mit einer subtilen, feinen, gütigen geistigen Zärtlichkeit. Nicht rohe Sexualität ist hier gefragt, sondern Körper-Erotik im ursprünglichen Sinn des Wortes: Erotik als Beseeltheit vom Eros, der seine Heimat laut Plato im Geist hat. Vergiss nie: Das Leben des Körpers kommt von oben her, vom Geist!

Ein Sinnbild dieses „von oben her“ ist der Atem. Die ursprünglichen Yoga-Lehrer im alten Indien bestanden immer darauf, dass Atem mehr als Atem, als das Einatmen der physischen Luft ist. Mit dem bewussten Atem nehme man auch die Weltseele, den Geist in sich auf. Das indische Wort atman bedeutet sowohl Atem wie das Selbst im Menschen, das letztlich mit brahman, der Weltseele, identisch gedacht und erfahren wird. Weil der Atem für die Inder eine geistig-psychisch-körperliche Substanz ist, stellt er konsequent auch den Träger der eigentlichen Lebenskraft, des prana dar. Die antiken Griechen hatten für das Wort Atem den Ausdruck pneuma, was wiederum auch Geist bedeutet. Aber auch ihr Wort für Seele, nämlich Psyche, bedeutet gleichzeitig den Hauch, den leisen Atem. Spirare im Lateinischen heißt atmen, und das davon abgeleitete Substantiv spiritus bedeutet Geist. Im Hebräischen ist mach sowohl der Wind, der Sturm, der Atem wie der Geist. Z.B. der ruach Jahwe, der Geist Gottes, der über den Wassern schwebte, um die Schöpfung zu formen. Überhaupt gebrauchen viele alte Sprachen jeweils dasselbe Wort für Atem, Geist oder Seele.

Tatsächlich ist der Atem für unser Bewusstsein ein Vehikel, auf dessen Rücken es in verschiedene Körperteile und ins Blut eindringen kann. Ich stelle mir vor, dass ich meinen Atem mit Bewusstsein begleite und in die einzelnen Organe meines Körpers hereinleite. Entsprechende Übungen finden sich schon bei den eben erwähnten Indern, aber auch im alten China. Im Grunde wussten alle alten Kulturvölker um die geistige Bedeutung des Atems. Wie sehr das Leben mit dem Atem zusammenhängt, spürt ja auch unsere Sprache, wenn wir vom Lebensodem, vom Atem des Lebens reden. Denn Atem bedeutet in der Tat Leben. Der Atem ist der Motor all unserer Lebensfunktionen. Die eingeatmete Luft versorgt uns mit Lebensenergie.

Aber schon rein körperlich geschieht beim Atmen noch viel mehr. Die Muskelbewegungen beim Atmen unterstützen den Bluttransport im Körper, also auch die Herztätigkeit und sorgen dafür, dass Blut wirklich bis in die feinsten Verästlungen der Blutbahn, der Kapillargefäße vordringt, dorthin Sauerstoff bringt und auch dort Schadstoffe abtransportiert. Mehr noch. Eine tiefe Atmung, bei der nicht nur der Brustkorb und die Schultern leicht angehoben werden, sondern die Bauchatmung, ist eine entscheidende Unterstützung für alle Körperorgane, die unterhalb des Zwerchfells liegen. Leber, Nieren, Darm. Der Transport der für die Verdauung wichtigen Gallenflüssigkeit, die in der Leber gebildet wird, in die Gallenblase wird gefördert. Ebenso wird die Darmtätigkeit angeregt. Die Verdauung hängt also auch von der richtigen Atmung ab. Darüber hinaus aber geschieht im Zusammenhang mit dem Atem auch in seelisch-geistiger Hinsicht eine ganze Menge. Durch ihn wird nicht nur der funktionelle Austausch lebensnotwendiger Stoffe ermöglicht, so dass beim Einatmen Sauerstoff aus der Luft den roten Blutkörperchen zugeführt, beim Ausatmen Kohlendioxid abgegeben wird. Vielmehr versinnbildlicht und realisiert der Atem gleichzeitig auch seelische Möglichkeiten und Gesetzmäßigkeiten. Wie das Atmen, so ist auch das Leben in seiner geistig-seelisch-körperlichen Ganzheit der Rhythmus und die Einheit von Spannung und Entspannung. Einatmen bedeutet Spannung, Ausatmen Entspannung. Goethe hat die seelische Seite des Atmens treffend in die Worte gefasst: „Im Atemholen sind zweierlei Gnaden, die Luft einziehen, sich ihrer entladen, jenes bedrängt, dieses erfrischt, so wunderbar ist das Leben gemischt.“

Leben ist ein Aufnehmen von Stoffen und/oder geistigen Inhalten (Informationen) aus der Außenwelt, ihre Verarbeitung in der Innenwelt und ihre Weitergabe an die Außenwelt.

Das symbolisiert und realisiert gleichzeitig auch der Atem. Er hält ständig die Verbindung von Innen nach Außen aufrecht. Er zwingt auch den fanatischsten Egoisten, der sich gegen alle und alles, gegen jeden Einfluss aus der Außen- und Mitwelt abschließen und verbarrikadieren möchte, mindestens dazu, sich minimal zu öffnen, weil er sonst erstickt. Der Egoist muss seine Grenzen wenigstens halbherzig aufmachen, muss die Luft einatmen, die auch der einatmet, den er nicht mag oder hasst, den er nicht riechen kann. Im Atemholen ist er, ob er will oder nicht, mit allem,  was auf dieser Erde lebt, mit Menschen, Tieren und Pflanzen verbunden. Dieselbe Luft teilen alle, über das Atmen kommt man mit allem in Kontakt, denn selbst die toten Stoffe beeinflussen ja die Qualität der Luft. Der Atem verbindet uns alle in einer großen Gleichheitsdemokratie alles Seienden!

Und ich kann an meinem Atem geradezu ablesen, wie ich zum Nicht-Ich, zu allem, was ich nicht selbst bin, stehe. Ich halte den Atem an, wenn ich Angst vor jemandem habe, ich fange an, erregt zu schnaufen, wenn ich meinem Gegner, auf den ich wütend bin, begegne; ich atme ganz flach, wenn jemand in der Nähe meinen Widerwillen erregt oder mir ekelerregend erscheint. Der Asthmatiker kann überzeugt sein, dass ihm jemand regelrecht die Luft wegnimmt. Er reagiert mit einem Spasmus beim Ausatmen. Die Angst schnürt einem den Atem ab.

So ist der Atem tatsächlich die Bewegung der Seele. Ihr harmonischer oder gestörter Rhythmus ist an der Art unseres Atems zu erkennen. Deswegen horcht man in seinen Atem hinein, wenn man etwas über seinen seelischen Zustand erfahren will, wenn man wissen will, wie es einem geht. Der Atem kann mir sagen, ob ich kontaktfreudig, weltoffen oder abwehrend, mich gegen die Umgebung abkapselnd bin, ob ich momentan optimistisch oder resignativ-depressiv bin, denn die niedergedrückte Stimmung wird sich sofort durch schwächeren, flacheren Atem kundtun.

Andererseits kann man durch eine gute, tiefe, regelmäßige Atmung auch wieder seine Stimmung verbessern, ruhiger, ausgeglichener, frischer, tatkräftiger werden. Das vermag die Atmung umso eher zu erreichen, je mehr sie von unserem Bewusstsein kontrolliert und geleitet wird. Doch ist gerade der spontane „bewusstlose“ Atem der erste Indikator, der mir anzeigen kann, wie es mir geht. Hier scheint ein Widerspruch zu bestehen, denn wie kann ich mir meinen spontanen, unbewussten Atem „ansehen“, d.h. bewusst machen, ohne ihn zu verändern? Theoretisch ist der Widerspruch fast nicht auszuräumen, praktisch aber wird jeder, der sich darum bemüht, erleben, dass es tatsächlich möglich ist, seinen eigenen Atem, wie er an und für sich ohne unsere willkürliche Kontrolle ist, zu erspüren, zu erlauschen, zu beobachten, einigermaßen objektiv wahrzunehmen.

Die enge Verbindung von Atem und Geist offenbart sich auch darin, dass man am ersteren geradezu die geistige Verfassung des modernen Menschen, wenigstens zum Teil, ablesen kann.

Der moderne Zivilisationsmensch ist gestresst, gehetzt, nervös. Nicht alle folgen dem Trend, aber viele lassen sich von den ständig erhöhten Leistungsnormen der Wirtschaft, der Industrie, der Großtechnik, der wissenschaftlichen Forschung unter Druck setzen und fühlen sich dann entsprechend überfordert. Oder sie meinen, sie könnten etwas verpassen, das Leben in seiner atemberaubenden Vielfalt nicht ausreichend einfangen. Die Folge von all dem ist der sog. Hochatem, ein flacher, schneller, nur bis zum Brustkorb vordringender Atem. Der Brustkorb wird aufgebläht, er soll ja möglichst alles möglichst schnell aufnehmen. Aber die „niederen“ Regionen, der untere Vitalbereich, werden vernachlässigt, werden vom Atem fast ausgelassen. Seelische Probleme, z.B. mit der Sexualität, möglicherweise Frigidität, funktionelle Impotenz, Krankheiten des Unterleibs, z.B. Unterfunktion der Nieren, könnten die Folge sein.

Sehr schneller, flacher Atem ist nervöser Atem. Die Hetze, der Stresscharakter der modernen Zivilisation bewirkt die Nervosität vieler Menschen und damit ihre Art des Atmens. Aber dieses schnelle, flache Atmen bewirkt umgekehrt, dass sie immer nervöser werden, dass sie in einem künstlichen Zustand der Dauernervosität verharren, weil sie sich diese Zusammenhänge ja nicht bewusst machen. Die unteren Regionen werden chronisch mit zu wenig Sauerstoff versorgt, der Mensch wirkt müde, abgespannt, lustlos. Aber auch das Bewusstsein ist nicht mehr so klar, man ist wie benebelt. Schwindel- und Angstgefühle entstehen. Lebensüberdruss steigt auf. Auch Haltungsschäden, Unter- oder Überspannung mancher Körperteile, Wirbelsäulenbeschwerden usw. können die Folge falschen Atmens sein. Schmerzen beim Stehen, Liegen oder Sitzen können sich als Begleiterscheinungen des nervösen, flachen Atmens einstellen.

Ganzheitlich umfassendes Atmen ergreift dagegen bewusst den ganzen Körper und trägt damit zu seiner Heilung bei. Ich überlasse es der Leserin, dem Leser, diese Ausführungen über die Gesundheit und insbesondere den Atem, dazu evtl. noch die praktischen Übungen zur Atemtechnik, die ich in meinem Buch „Die Kunst zu sein“ ausgebreitet habe, in ihren inneren Haushalt der Psyche aufzunehmen und erst auf dieser Grundlage selbständig und frei zu entscheiden, wie viele von den staatlich-behördlichen Einschränkungen aufgrund der Coronavirusinfektion akzeptabel sind.


Anmerkungen:

1) T. Dethlefsen / R. Dahlke „Krankheit als Weg“; München a.a.O. 17, 19.
2) Die praktischen Übungen der Atemtechnik als Ergänzung zu dem, was hier über Sinn und Wert des Atems und sein Verhältnis zu Geist und Bewusstsein ausgeführt wurde, finden sich bei H. Mynarek „Die Kunst zu sein – Philosophie, Ethik und Ästhetik sinnerfüllten Lebens“, 3. Auflage im Angelika Lenz Verlag, Neu-Isenburg 2014, 193 ff.

Zu der Frage, wie sich geistig-seelisch-körperliche Gesundheit zum Ganzen der Natur und des Universums verhält, siehe Mynarek, „Ein neues Verständnis der Natur. Neue Spiritualität und Religiosität“; 3. Auflage, Verlag für schöne Künste, Herbrechtingen 2020; ders., „Die Vernunft des Universums. Lebensgesetze von Kosmos und Psyche“, 1. Auflage als Goldmann – TB; Neuauflage im Verlag Die Blaue Eule, Essen 2003 (jetzt im Brill-Schöning-Verlag, Paderborn).

Gesund bleiben im „Lock Down“-Modus – Über Verlust und Wiedergewinnung des Atemraums in der Coronakrise

In fast stündlichem Abstand werden neue, rigorose Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verordnet. Wie gebannt harren wir den Pressekonferenzen und Entscheidungen von Politikern. Sind wir in dieser Situation nun zum bloßen Zuschauerdasein verurteilt und ist die Lösung der Krise Sache von „Experten“? Dürfen wir uns jetzt in die Hand politischer Maßregelung begeben, der die Bürger ansonsten laut statistischer Erhebungen so wenig Vertrauen entgegenbringen wie noch nie? Oder fordert uns die gegenwärtige Krise nicht geradewegs auf, selbst Regie zu ergreifen und uns zu eigenständigem Denken durchzuringen?

Denn trotz aller staatlich verordneter Schutzmaßnahmen wird von Regierungssprechern offen ausgesprochen, dass die Ausbreitung des Virus damit nur verlangsamt werden könne, ein weiterer exponentieller Anstieg an Neuinfektionen jedoch nicht vermeidbar sei. Nach Einschätzung anerkannter Experten u.a. der Harvard-Universität werde der neue Virus im Laufe der Zeit ca. 60-80% der Gesamtbevölkerung erfassen. Die Gefährlichkeit des neuen Coronavirus CoV-2  im Vergleich zu bisherigen, saisonal auftretenden Influenza- und Coronaviren wird von Experten kontrovers beurteilt und kann nach derzeitiger Datenlage noch nicht valide abgeschätzt werden (auch den gewöhnlichen Grippeviren werden alleine in Deutschland jährlich zwischen 20.000 und 30.000 Todesfälle zugerechnet; siehe auch eine aktuelle Riskobeurteilung auf swprs.org und euromomo.eu). Was Anlass zur Sorge gibt, sind neben einer erhöhten Übertragbarkeit des Virus u.a. Studien aus China, wonach bei als geheilt entlassenen Patienten mitunter bleibende Lungenfunktionsschäden festgestellt wurden. Zum Nachdenken gibt auch die Schilderung eines Kölner Internisten (siehe Youtube-Interview ab 14:45), wonach eine im führenden medizinischen Journal „The Lancet“ publizierte Coronavirus-Behandlung mit einer fragwürdigen Kombination an immunsuppressiven und zum Teil hochtoxischen Substanzen tödlich verlaufen könne und aus ärztlicher Sicht ein eindeutiger Kunstfehler sei. Auf diese Weise kämen auch vergleichsweise junge Patienten zu Tode, die gar nicht einer Risikogruppe zugehören und die den Virus ansonsten mit größter Wahrscheinlichkeit überlebt hätten.

Auch gibt es Indizien, dass SARS CoV-2 nicht bloß natürlichen Ursprungs ist, sondern in einem mikrobiologischen Labor hergestellt worden sein könnte (dass derartige Experimente durchgeführt werden, ist aus seriösen Quellen belegt – siehe z.B. eine Publikation im wissenschaftlichen Fachjournal „Nature“ aus 2015: „An experiment that created a hybrid version of a bat coronavirus that causes SARS …“)

Antikörper und Information

Unabhängig von seinem noch ungeklärten Ursprung ist jedenfalls absehbar, dass über kurz oder lang auch unser eigenes Immunsystem vor die Herausforderung gestellt sein wird, den neuen Coronavirus zu bewältigen. Ob das individuelle Immunsystem eines Menschen in der Lage ist, einen Krankheitskeim zu bewältigen oder ob es ihm unterliegt, hängt insbesondere auch von den Informationen ab, über welche die in unserem Blut und Gewebe zirkulierenden T- und B-Lymphozyten verfügen, um maßgeschneiderte Antikörper zu bilden. Sind unserem Immunsystem bestimmte Merkmale körperfremder Stoffe bekannt, dann kann bei Kontakt mit einem Antigen eine effektive Abwehrreaktion und Ausscheidung erfolgen.

Ist es möglich, uns analog zur Funktionsweise des Immunsystems durch richtige Information bzw. innere Haltung auf eine Bewältigung des Coronavirus vorzubereiten?  

Während wir zum Thema Coronavirus gerade in einer Informationsflut an Zahlen und Statistiken untergehen, von der in einem Artikel auf Rubikon treffend festgestellt wird: „Die wesentlichen Fragen zu Corona werden gar nicht erst gestellt — sie stünden Profitmaximierung und Grundrechteabbau nur im Weg“, so fehlt es an Informationen, die dem Menschen ein tieferes Verständnis der gesamten Situation ermöglichen und ihm seine individuelle Handlungsfähigkeit wiedergeben.

Im Gegensatz zu den „Lösungen“, die uns derzeit von Politik und Pharmaindustrie in Aussicht gestellt werden, ist eine Bewusstwerdung des übergeordneten Kontextes der aktuellen Krise mühsam. Wer diese Mühe nicht scheut, der kann in einer aktuellen Betrachtung des Heilpraktikers und Buchautors Heinz Grill fündig werden: „Der Coronavirus: Die Auseinandersetzung mit den Ängsten und Suggestionen stärkt die Abwehrkraft“

Krank durch Überfremdung

Nach Ansicht des Autors sei es das manipulative und suggestive Potential unserer Zeit, das den Menschen regelrecht überfremde und in Konsequenz auch krankmache.  – Wobei es aus einer philosophisch-metaphysischen Sicht bereits die grundlegende Lüge unserer Zeit sei, den Menschen auf eine rein materialistische Existenz zu reduzieren und ihm seinen Geist abzusprechen. Auf diese Weise werde der Mensch nicht nur seiner Würde und seines Selbstvertrauens beraubt, sondern auch seiner Fähigkeit zu einer wirklichen Neugestaltung der Lebensumstände. Der Mensch müsse sich dann ausschließlich von den materiellen Umständen, also auch Viren und sonstigen Krankheitserregern determiniert fühlen und vergesse dabei, dass er selbst maßgeblich zu einer Immunstärkung und Bewältigung von pathogenen Einflüssen beitragen könne. Indem der Einzelne nun von Angst dirigiert wird und seine Fähigkeit zu überschauender Bewusstheit und Handlungsinitiative verliert, erschöpfe sich hingegen sein Immunsystem in nicht ungefährlicher Weise. Durch die gegenwärtigen Maßregelungen werde der Mensch in seiner Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Beziehungsmöglichkeit drastisch reduziert. Er sei dann umso mehr auf staatliche und konzernwirtschaftliche Systeme angewiesen, in deren Abhängigkeit er sich begeben muss, um vermeintlich existieren zu können. Obwohl er sich in dieser Hoffnung am fortwährenden Bande getäuscht sieht und die rein profitorientierten und zerstörerischen Motive des neoliberal-konzernwirtschaftlich organisierten Systems inzwischen mehr als offensichtlich sind, wird dem Bürger ein vermeintlich bequemes Bild suggeriert: „Experten“ würden die heute anstehenden Probleme für ihn lösen.

Die Verantwortungsabgabe des Bürgers wird hierbei durch ein psychologisch raffiniertes Ansprechen seines Angst- und Sicherheitsdenkens  erkauft. Doch während es zu den Mechanismen der Manipulations- und Herrschaftstechniken heute bereits umfangreiche und sehr scharfsinnige Abhandlungen gibt (siehe z.B. Prof. Mausfeld: „Wie werden Meinung und Demokratie gesteuert“), so bleibt die Frage offen, warum so viele Menschen den bereits offenkundig zerstörerischen Machenschaften weiterhin Folge leisten.

In seiner Schrift „Die Gefallsüchtigen“ spricht der ZDF-Reporter Wolfgang Herles von einem unsichtbaren „Deal“ zwischen Herrschenden und Beherrschten: Politiker werden dafür honoriert, dass sie Tabu-Themen, die das bequeme Weltbild der herrschenden Lehre schlichtweg zerstören würden, erkennen und umschiffen (>> Interview Herles bei KenFM). Herles bezeichnet diese trügerische Form der Stabilität als „chronische Ignoranz“, innerhalb welcher die meisten Menschen systematisch belogen werden wollen. Der konsumorientierte Bürger wolle eigentlich mit Politik „in Ruhe gelassen werden“ und Verantwortung abgeben. Aufklärer haben in einem solchen gesellschaftlichen Milieu naturgemäß keinen leichten Stand. Herles:

„Politische Journalisten stören den Seelenfrieden. Vor allem den all jener Personen, deren Zurechtkommen mit der Wirklichkeit ausschließlich auf Selbstbetrug und Selbsttäuschung beruht.“

Dass auch von Einrichtungen führender demokratischer Staaten aktiv in Richtung Betrug und Täuschung der Bevölkerung hingearbeitet wird, wurde von CIA-Direktor William Casey offen zugegeben:

„Wir werden wissen, dass unser Desinformationsprogramm wirksam ist, wenn alles, was die Öffentlichkeit glaubt, falsch ist.“ (William Casey, 1981)

Wer die Analysen von Prof. Mausfeld verfolgt, kommt nicht umhin festzustellen, dass wir diesen von Casey postulierten Zustand nun womöglich erreicht haben. Eine mittlerweile perfektionierte Medien- und Meinungsmaschinerie hilft dabei, diesen Zustand abzusichern und kritische Stimmen auszugrenzen. Gab es im Falle der Zensur von system- und globalisierungskritischen Stimmen bisher doch auch deutliche Kritik, so drohen derartige Stimmen nun mundtot gemacht zu werden. Inmitten eines  zunehmend in den Panikmodus übergehenden Pandemie-Szenarios kann ein Hinterfragen der herrschenden Meinung schnell als unverantwortliche Gefährdung ausgelegt werden. Geht es jetzt doch um Leben und Tod (als ob das im Gang der Welt nicht auch schon bisher der Fall gewesen wäre) und um die Bekämpfung eines „unsichtbaren Feindes“, wie es der französische Präsident Macron bezeichnete.  Laut Ansage von Macron „befinden wir uns nun im Krieg“. Wer solche Aussagen unwidersprochen entgegennimmt, sollte bedenken, dass in einem Krieg bisher gültige Maßstäbe zivilgesellschaftlichen Lebens suspendiert sind. Auch wie im Krieg mit „Deserteuren“ und „Wehrkraftzersetzern“ verfahren wird, die sich den Einsatzplänen der Herrschenden entgegenstellen, sollte aus der Geschichte bekannt sein. Im Falle von Frankreich darf sich Präsident Macron bereits freuen: Die sozialen Proteste der „Gelbwesten“, die seine Macht beinahe ins Wanken gebracht haben, werden nun durch rigorose Notstandsverordnungen von den Straßen verbannt. Der Einzelne muss sich in seine Wohnung zurückziehen und dort den Anweisungen der Regierung harren.

In einer lesenswerten Betrachtung stellt der Gefängnispsychologe Götz Eisenberg fest, dass ein von der Regierung verordneter Mundschutz auch ein Maulkorb sei und dass „Chinesische Verhältnisse“ nun auch in Europa nicht mehr fern scheinen (>>Mundschutz und Maulkorb – Vom Doppelcharakter der Prävention“). Eisenberg:

„Man übt Praktiken der präventiven Konterrevolution. Der Virus, um den es letztlich und eigentlich geht, ist der Virus des Aufstands, den die Macht fürchtet wie die Pest.“

Immunsystem und Lüge

In seiner vorgenannten Betrachtung, welche sich insbesondere den geisteswissenschaftlichen Hintergründen der Viruserkrankung widmet, zieht Heinz Grill eine Analogie zwischen der Überfremdung des menschlichen Organismus durch einen Virus und der Überfremdung durch Lügen und Manipulation. Auch letztere setzen sich bis ins Innere des Menschen fort und entwickeln ein pathologisches Eigenleben. Wenn sich der Mensch diesem zwar verdrängten, aber mittlerweile unerträglich gewordenen Zeitgeschehen mutig und erkenntnisfreudig gegenüberstelle, dann könne er die in ihn eingedrungenen schädlichen Wirkungen wieder aussondern. So wie auch das Immunsystem krankmachende Keime unschädlich machen kann, sobald es in der Lage ist, diese anhand geeigneter Codierungen zu identifizieren. Die Immunkapazität reife sogar an einer solchen Auseinandersetzung mit dem Destruktiven und werde dadurch stärker, ein ängstliches Zurückziehen und Nichtbeachtenwollen bewirke das Gegenteil: Der Mensch würde auf diese Weise immer schwächer und apathischer, auch seine Gesundheit werde dabei untergraben.

„Lügen besitzen ihren Charakter in ihrer besonderen heimtückischen Determination, wenn sie auf unbewusste Weise von dem Menschen übernommen werden. Die reife Selbstbestimmung, die mit einer guten und objektiven Vorstellungsbildung ausgerichtet ist, stärkt die Regsamkeit des Immunsystems. Nicht nur den Erregern behagt diese Tätigkeit nicht, es beginnen auch die Lügen, die durch Erkenntnis nach Außen in die Ansicht gerückt werden, zu zappeln. Es ist wie wenn Eis in die Sonne gestellt würde. So wie ein Virus im Inneren schleichend und parasitär arbeitet und in geschwächtem Moment des Menschen überhand nehmende Fremdeiweiße mit nachfolgenden Toxinwirkungen produziert, im gleichen Maße werden heute Menschen von Suggestionen überschwemmt und in verhängnisvolle Zustände geführt. Eine Lüge verträgt keinen objektiven Blick, denn wenn dieser mit seiner Souveränität ihr gegenübertritt, wird die heimtückische Reaktion unterbunden.
(…)
Die Auseinandersetzung mit dem sogenannten Bösen, mit dem Antimoralischen, bildet einerseits eine größte Herausforderung für den Menschen, aber sie beinhaltet andererseits die Möglichkeit, die Immunkraft des phagozytären Systems auf intensive Weise zu fördern. Wenn es dem Menschen gelingt, Vorstellungen aus objektiver Anschauung zu bilden, überschreitet er eine Grenze seines eigenen Körpers und entwickelt daraus langsam und sicher jene Kräfte, die er zu einem selbstbestimmten und freien Leben benötigt. Überreaktionen des Immunsystems, die an den Organstrukturen destruierend arbeiten, treten dann ebenso wenig auf, wie passive Erschöpfungen der zellulären Abwehr. Nicht die Viren sollten die Zellsteuerung im Menschen übernehmen, sondern das reife geschulte und freie Bewusstsein des Menschen. Diese Art von Heilspotential müsste für die Zukunft in breitem Maße gefördert werden.“

Resilienz vs. Vulnerabilität

In der Medizin ist es bekannt, dass die Immunfunktion bzw. die Disposition zu Erkrankung oder zu relativ souveräner Bewältigung eines Krankheitserregers auch eine wesentliche psychosomatische Komponente hat. Bei Menschen, die aufgrund ihrer inneren Einstellung auch inmitten widriger Umstände zu einer Aufrechterhaltung oder raschen Wiederherstellung ihrer Gesundheit fähig sind, spricht man von Resilienz. Das Gegenteil von Resilienz ist Verwundbarkeit (Vulnerabilität).

In der Resilienzforschung werden als wesentliche Faktoren „personale, kognitive Faktoren“ genannt, wobei insbesondere „Deutungs- und Sinngebungs-Modelle der Realität“ (Wikipedia) ausschlaggebend seien, ob ein Mensch einer Belastungssituation gewachsen ist oder an ihr zerbricht.

Weitere resilienzfördernde Faktoren wie intakter sozialer Austausch, Angstfreiheit, Selbstbestimmungsfähigkeit („Selbstwirksamkeitserwartung“) sowie Frischluft, Bewegung und Sonnenlicht sind durch aktuell verordnete Maßnahmen stark eingeschränkt. Durch fortwährend verschärfte Bestimmungen zu Quarantäne, Ausgangssperren und Vermeidung des Kontakts zwischen Alt und Jung (auch in Pflegeheimen und Krankenhäusern sollen bettlägerige Großeltern nicht mehr von ihren Enkeln besucht werden) verbleibt uns womöglich bald nur noch der vorgenannte „personale, kognitive Faktor“, um Resilienz aufzubauen.

Doch was ist unter „personaler, kognitiver Faktor“ konkret zu verstehen? Und wie trainiert man die „personale Deutung und Sinngebung“, zu der dieser personale Faktor, den jeder von uns in sich trägt, fähig ist?

Verlust des Atemraums

In einer weitgehend von ökonomisch-technokratischem Nutzendenken geprägten Zeit, in welcher dieser Faktor gerne wegrationalisiert wird, fällt es nicht leicht, über ihn zu sprechen. Tiefgründige Denker wie Erich Fromm konstatieren nicht nur ein Verschüttet-Sein dieses personalen Faktors des Menschen, sondern stellen sogar fest, dass gegen ihn heute regelrecht „Krieg geführt“ werde. Denn in einer zu Normierung und Utilitarismus tendierenden Gesellschaft empfinde man ihn als Störfaktor. Gleichzeitig sei er das Wertvollste, was der Mensch als Individuum besitzt.

Es steht zu befürchten, dass dieser personale Faktor durch die rigorosen Einschränkungen der Persönlichkeits- und Freiheitsrechte nun noch weiter unter Druck geraten und in seinem Atemraum beschränkt wird. Wie können wir diesen Atemraum, der uns aktuell nicht nur im metaphorischen Sinne, sondern auch ganz real eingeschränkt wird, wieder erweitern?

Wer in der derzeitigen, von Angst und existenzieller Verunsicherung beherrschten Situation über die Wiedergewinnung des personalen Atemraums spricht, läuft Gefahr, angefeindet zu werden. Denn dieser personale Faktor des Menschseins ist elementar mit den Fragen von Freiheit, Selbstbestimmung und Wahrheit verbunden. Genauer gesagt: Er kann eigentlich nur in einem Klima von Freiheit, Selbstbestimmung und Wahrheit gedeihen. So darf es in einem Zeitalter der massenmedialen Meinungsmanufaktur nicht verwundern, dass man von Seiten der meinungsbildenden Polit-, Wirtschafts- und Medienorgane einer Emanzipation des individuellen Menschen sehr abhold ist und lieber auf „handfeste“ Maßnahmen setzt – Maßnahmen, mit denen der Mensch von obrigkeitlichen Systemen abhängig bleibt und die bei Ausrufung einer Pandemie und des nationalen Notstands wohl kaum jemand zu hinterfragen wagt, ohne sich sogleich dem Vorwurf auszusetzen, ein „Gefährder“ der Volksgesundheit zu sein.

Es sei hierbei nicht in Abrede gestellt, dass Maßnahmen zu Hygiene und einer Verlangsamung der Infektionsausbreitung tatsächlich sinnvoll und angemessen sind. Allerdings besteht nun die ebenfalls reale Gefahr, dass das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird und der von immer mehr Regierungen beschlossene „Lockdown“ nicht nur zu einer Abwärtsspirale und einem Kollaps der Wirtschaft führen wird (deren Stabilität von Ökonomen bisher bereits bei rückläufigen Wachstumsprognosen von nur wenigen Prozent- bzw. Zehntelprozent-Punkten als bedroht angesehen wurde – aktuell sprechen Ökonomen von einem zu erwartenden Einbruch des BIP im 2. Quartal dieses Jahres von 28%), sondern womöglich auch zu einer in Europa bislang nicht für möglich gehaltenen Außerkraftsetzung von Grund- und Freiheitsrechten und autoritären Verhältnissen. Wie der Journalist R. Rottenfußer in einem jüngsten Artikel auf Rubikon ausführt, sind die Bestrebungen zu lückenloser Überwachung und Abbau der Grundrechte mittlerweile unübersehbar:

„Hat die Panik ein gewisses Ausmaß erreicht, wird die Freiheit obsolet, Selbstbestimmung zum unverantwortlichen Risiko für die Volksgesundheit. Dann hat die Macht erreicht, was ihr ohnehin am liebsten ist: ein Volk, das von Angst getrieben seiner eigenen Entrechtung zustimmt.“

Ein Blick in eine in Dänemark vor wenigen Tagen beschlossene Gesetzesnovelle lässt erahnen, in welche Richtung die Reise nun geht, wenn wir nicht wachsam sind. Demnach hat sich die Regierung unter anderem folgende Befugnisse eingeräumt:  Enteignung von Privateigentum, Zwangstestungen, Zwangsbehandlungen und Zwangsimpfungen, die nötigenfalls durch exekutive Gewalt durchgeführt werden. Ein Gesetzesentwurf, wonach die Polizei die Möglichkeit hat, Räumlichkeiten ohne gerichtliche Anordnung zu betreten, wurde vorerst abgelehnt (Quelle: Stern).

Auch die Pharmaindustrie wittert wie bereits zu Zeiten der Schweinegrippe-Pandemie ihre Chance zu astronomischen Umsätzen mit Impfungen, die das Problem lösen sollen – wenngleich das für vormals kerngesunde Menschen mitunter nicht ohne Nebenwirkungen vonstatten geht. So wie etwa bei hunderten jungen Skandinaviern, die im Zuge der Schweinegrippe-Pandemie von 2010 aufgrund einer Impfung, die sie vor der Krankheit schützen sollte, stattdessen unheilbar krank wurden und nun unter Narkolepsie bzw. Schlafkrankheit leiden (Quelle: DiePresse;  vgl. Studie von Keil et al, 2011: „The invention of the swine-flu pandemic”). Zur Erinnerung an die Verknüpfung von Pharmaindustrie und Politik hier ein schon etwas älteres Statement des damaligen deutschen Gesundheitsministers Horst Seehofer (>>Youtube).

Auch die Gelegenheit zur Zentralisierung und Bündelung von Macht erscheint günstig wie noch nie. In einem jüngsten Artikel des Spiegel wird sogar eine bis vor Kurzem noch als Verschwörungstheorie bezeichnete Forderung offen ausgesprochen: „Krisen wie diese bräuchten eine Art Weltregierung.“

Wiedergewinnung des Atemraums

Doch kommen wir zurück auf das produktive Feld der Betrachtung, zur Resilienz und zum „personalen Faktor“ des Menschseins. Ob sich der Mensch dem Coronavirus resilient oder vulnerabel (verletzbar) gegenüberüberstellt, hängt nach Aussage von Heinz Grill im eingangs erwähnten Artikel wesentlich von seiner inneren Aktivität ab.

Zur Erkraftung des Immunsystems bedürfe es geradewegs jener Auseinandersetzung, die heute aus vermeintlicher Bequemlichkeit zumeist vermieden werde: Die Konfrontation mit den Lügen und Manipulationen unserer Zeit. Um diese Fremdeinflüsse aus dem eigenen Inneren zu eliminieren, muss man deren Wirkungsmechanismus verstehen. Dieser ist allerdings einigermaßen raffiniert:

„Die Einflüsterungen der Zeit mit ihren suggestiven Elementen und die Bindungen, die man in sich trägt, gehören in der Regel wie zwei Geschwister zusammen … die Vernunft ist durch die Angstsituation des Verlustes von Bindung vielfach bestimmt. Das Bindungspotential tritt in eine Art unausgesprochene, ungesehene Symbiose mit den Einflüsterungen der Interessenslage der Zeit.“

Diese unterbewusste Kondition – welche auch der Grund dafür ist, dass so viele Bürger Politikern folgen, deren unlautere Motive bereits für jedermann längst offenkundig sind (vgl. dazu oben W. Herles) – sorgt somit dafür, dass wir uns mit krankmachenden Einflüssen, die wir von unserem Innersten eigentlich nicht tolerieren und abwehren müssten, verbinden. Es besteht heute allerdings die große Aufforderung, alte Anlagen zurückzulassen, sich neue Gedanken und Sichtweisen zu erarbeiten und das Leben mit eigenständig formulierten Idealen neu zu formen. Indem man es nun vermeidet, im kollektiv-medialen Suggestivgeschehen mitzuschwimmen, Reservehaltungen und ängstliche Zwänge überwindet und die Auszeit, die uns nun durch Ausgangssperren auferlegt ist, dazu nützt um mit umso größerer Entschiedenheit neue Gedanken und persönliche Ziele zur Erkraftung zu führen (wem dazu die Ideen fehlen: z.B. einfach ein gutes, altes Buch aus dem Regal ziehen) und dabei gegenüber seinem Umfeld bewusst empathisch, wahrnehmend, beziehungsfreudig und interessiert bleibt, der kann seinen Immunstatus gegenüber herandrängenden Viren wesentlich stärken – und nicht nur seinen, auch den seiner Mitmenschen. Wer dies bewerkstellige, habe damit die besten Voraussetzungen für eine stabile Gesundheit und Psyche, auch in Zeiten einer kollektiven Krise:

„Das Immunsystem arbeitet in praktischer Hinsicht immer zur maximalen Wahrung der Integrität des Menschen. Diese Integrität des Menschen bedeutet, dass der Mensch keinesfalls von Fremdem bestimmt wird, sondern dass er sich von dem, was seiner Entwicklung angemessen ist, in das Leben hineinbringen lernt.
(…)
Die Angst in diesem Ausmaße, wie sie unbewusste, ergreifende Reaktionen freisetzt, umhüllt den Menschen wie eine vergiftete Atemluft. Die aufkommenden Reaktionen heißen ja nichts anderes, als dass der Bürger den Mut nicht aufbringt, zu seinem eigenen Potential und zu seiner Fähigkeit, dass er eine Sache objektiv denken, vorstellen und beurteilen kann, zu stehen. (…) Da heute die Wege bestehen, die Menschheit vor der Wirklichkeit abzulenken und sie sogar zu steuern, kann man eine individuelle Erkraftung des Einzelnen verhindern und neue Abhängigkeiten fördern. Der Virus aber ist tatsächlich wie symptomatisch, er übernimmt eine Art Steuerung bis hinein in die Erbstrukturen und der Mensch selbst ist diesem ausgeliefert.
(…)
Nun darf man nicht dem Fehler verfallen und sagen, dass Integrität eine Art Konservierung sei, bei der der Mensch zu alten und scheinbar sicheren Strukturen zurückkehrt. Zur Entwicklung bedarf es immer einer gesunden Anschauungsbildung und einem lebendigen Ablösen von subjektiven Eigenheiten. Er lernt, Urteile und Erkenntnisse zu entwickeln, die er nicht aus seinem Genetischen schöpfen kann, sondern die er in Kraft seiner Auseinandersetzung mit den verschiedenen Phänomenen der Wirklichkeit entwickelt. Er kann dann einen Erreger besser abwehren oder gegenüber diesem souverän bestehen. Wie bildet sich der Mensch seine Vorstellungen? Bildet er sie sich aus wirklicher Anschauung oder übernimmt er die Suggestionen, die ihm eingeflüstert werden und denkt, dass es seine eigenen Überlegungen seien? Zur Heilung einer Virusinfektion muss die Fähigkeit, die mit dem 30. Lebensjahr in die Entwicklung kommt, genützt werden. Der Einzelne lernt, die verschiedenen Verhältnisse eigenständig zu ordnen (…)  dann kommt das, was nicht nach innen gehört, nach außen und das, was gesunderweise von außen herein organisiert werden soll, nach innen und somit entwickelt man eine gesunde Integrität. Solange der Virus über den Körper reaktiv ist, fällt es dem Menschen schwer, eine freie Zukunftsvision zu entwickeln. Er braucht eine weit ausgedehnte Denk- und Vorstellungstätigkeit, die sich nicht aus den Ängsten und Emotionen des Leibes bildet, sondern aus einer freien Tätigkeit des Bewusstseins selbst.“

(Quelle: Heinz Grill – „Der Coronavirus: Die Auseinandersetzung mit den Ängsten und Suggestionen stärkt die Abwehrkraft“)

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(Text: Mario E. Nette, Fotos: Creative Commons CC BY 4.0 – no attribution)