Interview mit Dieter Nuhr: Wie man durch einen Shitstorm manövriert

Der Kabarettist Dieter Nuhr im Interview bei Phoenix: Warum unbequeme Denker heute nicht mehr mit Argumenten, sondern mit bloßen Attributen und Etiketten bekämpft werden.

Nuhr: “Der Shitstorm ist die humane Schwester des Pogroms. Es ist heute derselbe Mechanismus: Menschen rotten sich zusammen, um  jemanden zu lynchen – nur nicht mit der Mistgabel, sondern mit der Tatstatur, und setzen an zur sozialen Vernichtung.“

Im Interview spricht Dieter Nuhr auch über die Süddeutsche Zeitung, die sich nicht mehr objektivem Journalismus verpflichtet fühle, sondern versuche, virulente „Wutströmungen aufzunehmen und damit ihre sinkende Auflage zu stabilisieren“ – was Nuhr allerdings für nichts weniger halte als den Untergang des Journalismus. Als jemand, der sich nach eigenem Bekunden dem herrschenden Zeitgeist widersetzt und daher von der Süddeutschen mit einem diffamierenden Artikel ins Visier genommen wurde, kann Dieter Nuhr belegen, dass die SZ über seine Person nicht einmal richtig recherchiert hatte, sondern dass „ideologische Vernichtung das Ziel des Artikels war“.

Nach Ansicht von Nuhr dürfe man mediale Diffamierungskampagnen und Shitstorms nicht bloß über sich ergehen lassen, da einen die hierbei aufgeprägten Etiketten ansonsten quasi aus der zivilisierten Gesellschaft ausschlössen.

Die Tendenz, dass Wahrheiten nicht mehr ausgesprochen werden dürfen und Debatten unterdrückt werden, beobachte er mit großer Sorge. Das Wegfallen bisheriger Tabus halte er für einen dramatischen Zivilisationsverlust. Diesem gelte es entschieden entgegenzutreten.

Wissensvermittlung oder Wissensverhinderung? – Wikipedia und der Fall Clemens Arvay

Ein jüngstes Beispiel, wie auch die vermeintlich freie Online-Enzyklopädie Wikipedia als Werkzeug für Rufmordkampagnen genutzt wird, findet sich im Fall des Biologen Clemens Arvay. Nachdem er sich kritisch zur geplanten Corona-Impfung und verkürzten Zulassungsverfahren geäußert hatte, sah er sich nicht nur medialen, sondern mittlerweile auch tätlichen Angriffen ausgesetzt.

Wie bereits in den Dokus Die dunkle Seite der Wikipedia und Zensur von Markus Fiedler herausgearbeitet, zeigt sich wiederum, dass Wikipedia von anonymen Administratoren dominiert wird, die es als ihren Auftrag ansehen, dem Mainstream widersprechende Personen und alternative Denkansätze systematisch zu ächten (zu Organisationsstruktur und Manipulationstechniken von Wikipedia siehe auch >>swprs).

Hierzu auch aus einem Kommentar der Nachdenkseiten:

„Es ist ohnehin ein großes Missverständnis, wenn die Wiki-Aktivisten meinen, Wissenschaft habe etwas damit zu tun, Positionen anhand ihrer Kompatibilität zum Mainstream zu bewerten. Die meisten großen wissenschaftlichen Erkenntnisse mussten sich zunächst gegen einen Mainstream durchsetzen und wurden anfangs belächelt oder gar bekämpft. Hätte es die Wikipedia bereits in früheren Jahrhunderten gegeben, wären sicher auch Galileo Galilei, Nikolaus Kopernikus und Johannes Keppler mit Verweis auf die Meinungsartikel katholischer Theologen als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet worden. Wissenschaft lebt vom Widerspruch und die wissenschaftliche Herangehensweise beinhaltet die inhaltlich ergebnisoffene Debatte, losgelöst von der Person und erst recht losgelöst von ideologischen Scheuklappen und interessengeleiteter Einflussnahme. Von diesem Ideal entfernt sich die Wikipedia von Tag zu Tag mehr. Welchen Mehrwert hat aber eine ideologisch motivierte Enzyklopädie, die nicht das Wissen der Welt, sondern die Meinungen einiger weniger Aktivisten, die sich als Hüter des Wissens gerieren, widerspiegelt?“
(Quelle: nachdenkseiten.de)