Interview mit Dieter Nuhr: Wie man durch einen Shitstorm manövriert

Der Kabarettist Dieter Nuhr im Interview bei Phoenix: Warum unbequeme Denker heute nicht mehr mit Argumenten, sondern mit bloßen Attributen und Etiketten bekämpft werden.

Nuhr: “Der Shitstorm ist die humane Schwester des Pogroms. Es ist heute derselbe Mechanismus: Menschen rotten sich zusammen, um  jemanden zu lynchen – nur nicht mit der Mistgabel, sondern mit der Tatstatur, und setzen an zur sozialen Vernichtung.“

Im Interview spricht Dieter Nuhr auch über die Süddeutsche Zeitung, die sich nicht mehr objektivem Journalismus verpflichtet fühle, sondern versuche, virulente „Wutströmungen aufzunehmen und damit ihre sinkende Auflage zu stabilisieren“ – was Nuhr allerdings für nichts weniger halte als den Untergang des Journalismus. Als jemand, der sich nach eigenem Bekunden dem herrschenden Zeitgeist widersetzt und daher von der Süddeutschen mit einem diffamierenden Artikel ins Visier genommen wurde, kann Dieter Nuhr belegen, dass die SZ über seine Person nicht einmal richtig recherchiert hatte, sondern dass „ideologische Vernichtung das Ziel des Artikels war“.

Nach Ansicht von Nuhr dürfe man mediale Diffamierungskampagnen und Shitstorms nicht bloß über sich ergehen lassen, da einen die hierbei aufgeprägten Etiketten ansonsten quasi aus der zivilisierten Gesellschaft ausschlössen.

Die Tendenz, dass Wahrheiten nicht mehr ausgesprochen werden dürfen und Debatten unterdrückt werden, beobachte er mit großer Sorge. Das Wegfallen bisheriger Tabus halte er für einen dramatischen Zivilisationsverlust. Diesem gelte es entschieden entgegenzutreten.

Ein Gedanke zu „Interview mit Dieter Nuhr: Wie man durch einen Shitstorm manövriert

  • Februar 26, 2021 um 11:04 am
    Permalink

    Sehr geehrter Herr Nuhr,

    ich freue mich wahrzunehmen, dass auch unter „Prominenten“ vereinzelt genügend Mut zum Selbstdenken zum Ausdruck kommt.
    Allerdings tappen Sie mit Ihrer Bemerkung zur Berliner Demo in haargenau die gleiche
    Framing-Falle, die Sie kurz vorher in Bezug auf Ihre Person und auch auf Lisa Eckhart zu Recht beklagen.
    Waren Sie auf dieser Demo selbst anwesend? Woher beziehen Sie die Information über die
    Anwesenheit von Nazis dort? Warum fragen Sie sich nicht wenigstens, ob hier nicht womöglich haargenau das gleiche Prinzip der (nicht physischen) Menschentötung vorliegen
    könnte wie beim Nazitum der Frau Eckhart und all der Millionen von neuerstandenen
    Corona-= Holocaust-Leugnern? Schade – Sie bleiben meiner Meinung nach auf halbem
    Wege stehen. Verstehen Sie mich nicht falsch: ich kann das verstehen, denn die Konsequenzen sind wirklich bitter. Aber daran kann uns allen sehr klar werden, wie ober-
    flächlich und leichtfertig es war und ist, wenn der deutsche Durschnittsbürger sich empört
    über all die Mitläufer und Schweiger im 3. Reich. Denen drohte nämlich tatsächlich der
    physische Tod.

    Mit freundlichen Grüßen

    Verena Repers

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.