Interview mit Dieter Nuhr: Wie man durch einen Shitstorm manövriert

Der Kabarettist Dieter Nuhr im Interview bei Phoenix: Warum unbequeme Denker heute nicht mehr mit Argumenten, sondern mit bloßen Attributen und Etiketten bekämpft werden.

Nuhr: “Der Shitstorm ist die humane Schwester des Pogroms. Es ist heute derselbe Mechanismus: Menschen rotten sich zusammen, um  jemanden zu lynchen – nur nicht mit der Mistgabel, sondern mit der Tatstatur, und setzen an zur sozialen Vernichtung.“

Im Interview spricht Dieter Nuhr auch über die Süddeutsche Zeitung, die sich nicht mehr objektivem Journalismus verpflichtet fühle, sondern versuche, virulente „Wutströmungen aufzunehmen und damit ihre sinkende Auflage zu stabilisieren“ – was Nuhr allerdings für nichts weniger halte als den Untergang des Journalismus. Als jemand, der sich nach eigenem Bekunden dem herrschenden Zeitgeist widersetzt und daher von der Süddeutschen mit einem diffamierenden Artikel ins Visier genommen wurde, kann Dieter Nuhr belegen, dass die SZ über seine Person nicht einmal richtig recherchiert hatte, sondern dass „ideologische Vernichtung das Ziel des Artikels war“.

Nach Ansicht von Nuhr dürfe man mediale Diffamierungskampagnen und Shitstorms nicht bloß über sich ergehen lassen, da einen die hierbei aufgeprägten Etiketten ansonsten quasi aus der zivilisierten Gesellschaft ausschlössen.

Die Tendenz, dass Wahrheiten nicht mehr ausgesprochen werden dürfen und Debatten unterdrückt werden, beobachte er mit großer Sorge. Das Wegfallen bisheriger Tabus halte er für einen dramatischen Zivilisationsverlust. Diesem gelte es entschieden entgegenzutreten.

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